Es klingt altmodisch, einen Liebesbrief zu schreiben, aber er ist wichtiger denn je. Leider ist die klassische Form des Briefes insgesamt aus der Mode gekommen. Heute mailt man einfach. Doch wo bleibt da das Persönliche?
Ein Liebesbrief ist etwas Besonderes, das man auch aufheben will. Kein Computerdrucker kann die Struktur der Handschrift wiedergeben, kann den Strich des Stiftes, des Gelschreibers oder einer ganz persönlich eingeschrieben Feder des Lieblingsfüllers des Schreibers oder der Schreiberin darstellen. Keine elektronische Post ersetzt das Papier, das der geliebte Mensch in Händen hielt, das vielleicht sogar nach ihm duftet.
Der Liebesbrief ist der unmittelbarste Flirt, die schönste Liebeserklärung, wenn der Liebende nicht persönlich zugegen sein kann. Er ist mehr als Anmache.
In der Kunst zeigten viele Maler seit Jahrhunderten, welche emotionale und sinnliche Wirkung ein Liebesbrief bei der Leserin ausüben kann. In Büchern wird beschrieben, welche Sehnsüchte mit ihm erwachen, welche Traurigkeit ausgelöst wird, wenn ein erwarteter nicht eintrifft. In Liedern wird besungen, wie die Seele trauert wenn ein Liebesbrief nicht ankommt. Sein „Return to sender“ gehört zum ewigen Vermächtnis von Elvis.
Eine Gefahr besteht aber. Der Schreiber kann sich auch bei einem klassischen Brief hinter ihm verstecken, mit fremden Worten werben und Gefühle vortäuschen.
