Spricht man vom Kavalier der alten Schule, ist das heute, aus Männersicht, oft abschätzig gemeint. Viele Frauen sehen in ihm aber noch bewundernd und dankbar den charmanten „Beschützer der Damen“, den perfekten und gegebenenfalls diskreten Gentleman. Der Knigge hat sich modernistisch anstecken lassen und vieles für überholt erklärt, was einmal die Höflichkeit des “Ritters” ausmachte. Doch manche Frau läßt sich gerne kleine Aufmerksamkeiten gefallen, solange der Mann nicht sklavisch die Benimmregeln von anno dazumal abarbeitet.
Das aus dem italienischen „cavaliere“ abgeleitete Wort, hat drei Bedeutungsgruppen: Ehrenmann, Liebhaber und Weltmann. Unter dem Oberbegriff Liebhaber ist die Deutung weitreichend bis konträr. Sie reicht vom Geliebten über das abschätzige Wort Galan bis zum abwertenden Begriff Macker („Ein schöner Kavalier“). Es kommt also darauf an, in welchem Zusammenhang man von einem Kavalier spricht.
Häufig wird der Kavaliersbegriff beschönigend verwendet. Der Kavalierstart ist ohne Pferd Imponiergehabe und die Kavalierskrankheit eine Geschlechtserkrankung. Ein Kavaliersdelikt war ursprünglich eine ungesetzliche oder unmoralische Handlung, die einem Adeligen jedoch nicht die Ehre kostete, z.B. eine Frau niederen Standes illegitim schwängern.
So bleibt der wirkliche Kavalier alter Schule, der durch Achtsamkeit, Höflichkeit und gepflegte Umgangsformen eine Unbekannte ebenso besticht wie seine Begleiterin, ein liebenswerter Herzensbrecher, nach dem sich viele Frauen sehnen.
